Vietnam, vor allem der Norden

Vietnam – Meo Vac und Dong Van

Eigentlich war der Plan super. Wir fahren bis Bao Lac und steigen um in den Bus nach Meo Vac, unserem Ziel. Sieht auf der Karte aus wie ein Katzensprung. Wir kommen so spät an, dass es an diesem Tag nirgendwo mehr hingeht, denn leider gibt es keine Busverbindung zwischen diesen Orten und auch per Anhalter will uns niemand mitnehmen. Wir mieten uns ein Zimmer. Ein sehr, sehr schlechtes, denn nachts beginnt das große Krabbeln, das Fenster lässt sich nicht schließen und das Bett ist älter als wir beide zusammen. Ich schlafe trotzdem gut, aber leider niemand sonst, was nach dem Aufwachen etwas Ärger nach sich zieht.
Am nächsten Tag landen wir durch Zufall im Haus einer Bauunternehmer-Familie und nach einigen Runden verhandeln, ignorieren, Schnaps und anschweigen fährt uns ein Jeep nach Meo Vac im äußersten Nordosten Vietnams.

Wir sind so nah an der Grenze zu China, dass wir eine Genehmigung der Polizei benötigen, um hier zu übernachten. Das letzte Zimmer im blitzsauberen Hotel ist unseres und wir freuen uns sehr darüber, leihen um die Ecke ein Moped und knattern in über 1000 Metern Höhe durch wunderschöne Landschaft.

Die Menschen hier gehören zu 90 Prozent ethnischen Minderheiten an. Die Hmong-Männer tragen komplett schwarz, sind aber nicht nur deshalb sehr sympathisch. Überall werden wir mit einem Lächeln empfangen und in Gespräche verwickelt, in Vietnam keine Selbstverständlichkeit. Die Gegend um Meo Vac und Dong Van ist das absolute Highlight auf unsere Reise.

Ban Gioc-Wasserfall

Direkt auf der Grenze zwischen Vietnam und China liegt der Ban Gioc-Wasserfall. Touristen aus beiden Ländern fahren mit Ausflugsbooten über den Fluss, früher streng überwacht durch bewaffnete Militärs auf den Hügeln ringsum. Heutzutage geht es entspannter zu, vor allem auf der vietnamesischen Seite. Die ehemaligen Militärposten sind aber immer noch gut zu erkennen.
Über Ban Gioc sagen einige, es sei der schönste Wasserfall Vietnams, andere halten ihn für einen der schönsten der Welt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Wir laufen ein paar Kilometer unter den ungläubigen Blicken der Einheimischen die Straße entlang, über einen Hügel, durch ein Reisfeld und schon taucht der mit Neon-Röhren beleuchtete Eingang der Nguom Ngao-Höhle vor uns auf. Draußen regnet es inzwischen, wohl auch deshalb sind wir drinnen allein und genießen diesen in Vietnam so seltenen Moment der Einsamkeit. Die Höhle selbst ist… eben eine Höhle. Die bunte Beleuchtung trifft nicht so richtig unseren Geschmack, es gibt keine außergewöhnlich großen Räume. Die Einrichtung mit Stalaktiten und Stalagmiten ist aber vollständig.

Sa Pa, Ninh Binh, Ha Long und Cat Ba

Unsere Reise geht weiter und führt über Sa Pa, Cat Ba, die Ha Long-Bucht, Ninh Binh und Mui Ne wieder zurück nach Saigon.
Sa Pa ist allein wegen der Reisterrassen in der Umgebung und des Essens im Restaurant „Little Sa Pa“ einen Abstecher wert. Sa Pa ist aber auch touristisch voll-, vielleicht sogar übererschlossen. Man braucht Nerven aus Stahl, um die verkaufstüchtigen Händlerinnen in der Stadt abzuschütteln, verlässt man die Stadt, umringen einen sofort Trauben von selbsternannten „Tourguides“, die den zwar nicht ausgeschilderten, aber trotzdem gut erkennbaren Weg weisen wollen. Hat man das überwunden, wird man mit Wanderungen quer durch Reisterrassen, über sanfte Hügel und durch kleine Dörfer belohnt. Und, wenn es regnet, mit einer fantastischen Schlammschlacht.

Wir fahren mit einem rumpeligen Nachtzug von Lao Cai zurück nach Hanoi und von dort weiter über Ninh Binh (natürlich nicht, ohne die Bootsfahrt durch die drei Höhlen, oder Tam Coc, wie der Vietnamese sagt, zu verpassen) zum Weltnaturerbe Ha Long-Bucht. Unser Ziel ist die größte Insel, Cat Ba. Der Plan ist, auf einem der vielen Touristenboote bis dahin mitgenommen zu werden. Das ist schwerer als gedacht, aber mit etwas Geduld und Umsteigen auf dem Meer klappt es dann doch. Entschädigt werden wir mit einem Hotelzimmer mit perfekter Aussicht über das Meer und Begrüßungscocktail.
Einer unsere Ausflüge auf der Insel führt uns zur Quan Y-Höhle, die früher ein komplett eingerichtetes Krankenhaus war, inklusive eines Fluchtweges, der beinhaltete, aus einigen Metern Höhe in einen Pool zu springen, um schneller zu entkommen. Da wir die einzigen Gäste sind, führt uns der Aufseher allein durch den Bau und erzählt Geschichten von Ho Chi Minh, der angeblich auch einmal in dieser Höhle untergekommen ist.

Märkte

Wovon wir in Asien nie genug bekommen können: essen. Kein Markt, den wir auslassen, kein Stand, an dem wir nicht irgendwas probieren. Banh Ran oder Banh Cam jemand?

Hanoi oder Saigon?

Letzte Frage, die noch zu klären wäre: Saigon oder Hanoi? Für uns auf jeden Fall Saigon, allein schon wegen des Essens im Phap Hoa Quan 1, dem besten vegetarischen Restaurant, in dem wir in Vietnam waren.

5 Kommentare

  1. Vietnam - Ein Reisebericht | Stefan Schulze | F... · 9. Oktober 2014 Reply

    […] Eigentlich war der Plan super. Wir fahren bis Bao Lac und steigen um in den Bus nach Meo Vac, unserem Ziel. Sieht auf der Karte aus wie ein Katzensprung. Wir kommen so spät an, dass es an diesem Tag nirgendwo mehr hingeht, denn leider gibt es keine Busverbindung zwischen diesen Orten und auch per Anhalter will uns niemand mitnehmen. Wir mieten uns ein Zimmer. Ein sehr, sehr schlechtes, denn nachts beginnt das große Krabbeln, das Fenster lässt sich nicht schließen und das Bett ist älter als wir beide zusammen. Ich schlafe trotzdem gut, aber leider niemand sonst, was nach dem Aufwachen etwas Ärger nach sich zieht. Am nächsten Tag landen wir durch Zufall im Haus einer Bauunternehmer-Familie und nach einigen Runden verhandeln, ignorieren, Schnaps und anschweigen fährt uns ein Jeep nach Meo Vac im äußersten Nordosten Vietnams……  […]

  2. Vietnam - Ein Reisebericht | Stefan Schulze | R... · 9. Oktober 2014 Reply

    […] Eigentlich war der Plan super. Wir fahren bis Bao Lac und steigen um in den Bus nach Meo Vac, unserem Ziel. Sieht auf der Karte aus wie ein Katzensprung. Wir kommen so spät an, dass es an diesem Tag nirgendwo mehr hingeht, denn leider gibt es keine Busverbindung zwischen diesen Orten und auch per Anhalter will uns niemand mitnehmen. Wir mieten uns ein Zimmer. Ein sehr, sehr schlechtes, denn nachts beginnt das große Krabbeln, das Fenster lässt sich nicht schließen und das Bett ist älter als wir beide zusammen. Ich schlafe trotzdem gut, aber leider niemand sonst, was nach dem Aufwachen etwas Ärger nach sich zieht. Am nächsten Tag landen wir durch Zufall im Haus einer Bauunternehmer-Familie und nach einigen Runden verhandeln, ignorieren, Schnaps und anschweigen fährt uns ein Jeep nach Meo Vac im äußersten Nordosten Vietnams……  […]

  3. GambaJo · 9. Oktober 2014 Reply

    Sehr interessant. Ich werde im November für 3 Wochen Vietnam mit dem Rucksack bereisen. Überlege noch, ob ich nur die X100s, oder nur die X-T1 oder beides mitnehmen soll.
    Du warst ja anscheinend nur mit der X100s unterwegs. Hattest Du das Gefühl, dass die manchmal etwas fehlt?
    Hast Du noch irgendwelche Tipps auf Lager für mich?

    • iamstef · 9. Oktober 2014 Reply

      Hi, danke! Vietnam ist großartig, ich wünsche dir eine tolle Zeit. Ich hatte tatsächlich nur die X100S mit und es war perfekt. Natürlich könnte man hier oder da auch mal eine kürzere oder längere Brennweite gebrauchen, wirklich vermisst habe ich aber nichts. Obwohl ich eher der 50mm-Typ bin. Und nicht darüber nachdenken zu müssen, welches Objektiv man wofür nehmen soll, hat auch Vorteile. Gerade im Urlaub passt für mich das etwas langsame Fotografieren der X100S und weniger Gewicht ist bei der Hitze auch super.
      Welche Objektive hast du für die X-T1?

      Mein absolutes Highlight war der Nordosten, vor allem die Gegend um Meo Vac. Fantastisch, ich wäre gern länger dort geblieben.
      Wenn du bestimmte Fragen hast, schreib mir gern eine Mail!

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