Türkei

Istanbul

Wenn man auf dem Wedding wohnt, denkt man ja oft, man hätte Istanbul schon gesehen, ohne jemals in der Türkei gewesen zu sein. Stimmt aber nicht… so ganz. Tatsächlich war keine Kumpir so gut wie die aus dem Çarik Kuruyemiş in der Seestraße (beste!), ein Punkt für Berlin.

Und wenn ich schon Punkte verteile, gibt es direkt auch einen für Istanbul und den besten Platz der Stadt zu jeder Uhrzeit: die Galatabrücke. Manchmal kommen Delfine vorbei oder ein paar Jungs, die von der Brücke springen, bis die Polizei anrückt und sie verjagt. Für einen Blick auf das Display meiner Kamera war vor dem Weglaufen natürlich noch genug Zeit.
Zweitbester Platz der Stadt: Galata Şirin Fırın, eine kleine Bäckerei um die Ecke von unserem Hotel, großartig, um den Kalorientank wieder aufzufüllen, plus noch ein bisschen Profiterole-Reserve obendrauf. Natürlich gibt es in Istanbul auch noch eine Menge Kirchen, Moscheen und Märkte, die einen Besuch Wert sind, aber draußen ist’s einfach schöner.

Denn Istanbul ist eine tolle Stadt, um ziellos durch die kleinen Gassen zu laufen, auf einem Boot auf dem Bosporus rumzufahren oder, natürlich, um in Straßencafés zu sitzen und Tee zu trinken. Letzteres scheint wohl eher so’n Männer-Ding zu sein.

Kappadokien

Zweite Station: Göreme in Kappadokien. Der Bus bringt uns problemlos hin, die Unterkunft ist natürlich oben auf dem Berg, bei 38°C und Sonnenschein. Wir wohnen bei Mustafa im Explorer Cave Hotel, beste Entscheidung. Unser Zimmer ist eine in den Fels geschlagene Höhle, kühl und feucht. Mustafa kümmert sich rührend um uns und vor allem um die Mitreisende, die Knieschmerzen aus Istanbul mitgebracht hat und kaum laufen kann. Es wird also erstmal nichts mit Ballonfahren und Wandern, dafür lernen wir Mustafas Familie und Freunde kennen, denn eigentlich ist jeder in der Gegend hier Mustafas Familie oder Freund. An einem Tag zwei Termine beim Orthopäden und ein MRT, versuch das Mal ohne Anmeldung in der Charité.

Am nächsten Tag fährt Mustafa mich ein Stück aus der Stadt raus, setzt mich an einem kleinen Weg ab, zeigt in irgendeine Richtung und ich wandere los durch diese bizarre, karge, wunderschöne Tuffstein-Landschaft. Natürlich finde ich den richtigen Weg nicht, treffe dafür aber auf Darryl aus Brunai und seinen Kumpel und wir gehen gemeinsam weiter. Kurze Zeit später gesellt sich noch „Kappa“ dazu, ein Kangal, bekannte türkische Hunderasse. Kappa begleitet uns für mehrere Stunden und ich weiß bis heute nicht, warum. Aber er kannte den Weg besser als jede Karte, also laufen wir ihm blind hinterher, vorbei an kleinen Cafés, die plötzlich mitten im Nichts auftauchen, zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Und dann doch noch die Ballonfahrt. Morgens halb fünf werden wir abgeholt, das ist weit vor meiner Zeit. Wir teilen den Ballon mit einer koreanischen Reisegruppe, die der Pilot mit „Ah! Our guest today: Kim Jong-il!“ begrüßt. Wir steigen mehrere hundert Meter auf, und ab, und wieder auf, und wieder ab. Die Aussicht ist durchgängig atemberaubend. Zum Schluß gibt es noch eine spektakuläre Landung direkt auf dem Anhänger eines Pickups und ein Glas Champagner. Kann man mal machen!

Kayaköy, Fethiye und die türkische Riviera

Letzter Halt: Kayaköy. Kayaköy liegt in der Nähe von Fethiye, nicht weit von Antalya, am Mittelmeer. Kayaköy war früher mal das griechische Levissi, bis vor knapp 100 Jahren die Griechen vertrieben wurden. In die zurückgelassenen Häuser zog niemand ein und so entstand eine Geisterstadt aus mehreren Hundert Ruinen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie oft wir uns ein Eis gekauft haben und durch die Gassen dieses „Lost Place“ geschlendert sind, aber die Waage sagt, es muss oft gewesen sein. Ein einmaliger Ort jedenfalls.

An unserem letzten Tag fährt uns Ahmed, der Vermieter, mit seinem kleinen Eisverkäufer-Boot (wohl der Zweitjob) an einen einsamen Strand einer kleinen Insel und verspricht, alle zwei Stunden nach uns zu sehen. Das klappt nicht ganz so gut, aber er schickt zwischendurch ein Gözleme-Boot vorbei, um unseren Hunger zu stillen, superlecker, und holt uns irgendwann dann doch wieder ab, kurz bevor wir anfangen, Gesichter auf Volleybälle zu malen.

Türkei? Immer wieder gern.

 

1 Kommentar

  1. J. Schulze · 21. Mai 2016 Reply

    So loll geschrieben und fotografiert wie immer! Wir kennen die Türkei ja nur vom Strandurlaub, vielleicht im nächsten Jahr mehr?

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