Barcelona und die Fuji X-E2

Das „Gear Acquisition Syndrome“ bezeichnet den unter Nerds weit verbreiteten Drang, ständig neue Technik kaufen zu müssen. Das letzte vorletzte Mal, dass ich diesem Drang freien Lauf ließ, endete im Kauf einer schwarzen Fujifilm X-E2. Das ist eine dieser modernen spiegellosen Kameras mit Wechselobjektiv. Einem verlockenden Angebot in einem Foto-Forum kann ich nicht widerstehen und ich habe Glück: die Fuji sieht nicht nur verdammt gut aus, sondern auch wie neu. Happy me.
Mit der Kamera und ein bisschen Wechselunterwäsche im Gepäck geht es dann kurze Zeit später nach Barcelona. Wir haben über Tripadvisor ein Apartment nahe der Avinguda del Paral-lel im Stadtteil Poble Sec gebucht, der Vermieter heißt Juan Carlos. Berufsbedingt habe ich kurz schlechte Laune, die verfliegt aber schnell wieder; das Apartment ist sauber, neu, schick eingerichtet und Juan kein Elefantenjäger.

Wir haben uns für die Tage in Barcelona nichts vorgenommen und laufen ziellos durch die Stadt. Der Fuji gefällt das extrem gut, sie ist für die Straße gemacht. Unauffällig, klein und leicht. Der Sucher ist nicht mittig angeordnet, sondern, wie bei einer Messsucher-Kamera, auf der linken Seite. Blöd für Linksäugler, super für mich, denn so versteckt man sein Gesicht nicht und kommt gefühlt freundlicher rüber.

Ein Nachtteil ist die Akkuleistung. Die X-E2 hält oft nicht länger als einen Tag durch, zwischen der Anzeige „Akku voll“ und „Akku komplett leer“ liegen nicht viel mehr als 10 Auslösungen. Das ist eine Umstellung, bei einer Spiegelreflexkamera habe ich gefühlt wochenlang den Akku nicht aufladen müssen.

In Barcelona kann man es gut aushalten, wir lieben das Essen und den Wein und die Stimmung an den Abenden, die wir meist auf der Carrer de Blai verbringen, eine der vielen Straßen, die bei Einbruch der Dunkelheit mit Tischen und Stühlen vollgestellt werden und sich dann sofort mit Musik und Leben füllen. Es gibt leckerste Tapas und, du errätst es schon, Wein.

Montjuic

Der Montjuic ist der Hausberg von Barcelona. Hier stehen zum Beispiel das Olympiastadion und einige Museen, wie auch das Museu Nacional d’Art de Catalunya. Wird aber gerade umgebaut und deshalb sind die spannenden Ausstellungen leider geschlossen.
Auf den Berg fahren zwei Seilbahnen, eine startet im Hafen und die andere an der Station Paral-lel. Weil ich so gern mit kleinen Eisenbahnen fahre, nehmen wir natürlich die letztere. Juhu.

Vom Montjuic aus kann man die ganze Stadt überblicken – Zeit, die Bilder der Fuji auf Detailreichtum zu testen. Und man wird nicht enttäuscht, die Bildqualität ist fantastisch, was zum Teil auch am fehlenden Tiefpassfilter und den großartigen Objektiven liegt.

Gaudi

Die meisten Leute kommen wohl auch nach Barcelona, um die Bauwerke von Antoni Gaudi zu sehen. Das weiß inzwischen auch die Stadtverwaltung, unter 20 Euro kommt man kaum irgendwo rein. Wir sehen uns das Palau Güell an und auch das Casa Mila, das sich gerade hinter einem Baugerüst versteckt, und latschen durch den Park Güell. Der Zugang zum Park ist angeblich auf 800 Personen pro Stunde limitiert, kommt mir aber nicht so vor. Es ist unangenehm voll und es gibt ohnehin nicht so viel zu sehen, also laufen wir weiter, vorbei an der Sagrada Familia (immer noch nicht fertig) und dem Arc de Triomf, bis wir in einer kleinen Nebenstraße einen kleinen Eisladen entdecken, der zu einer kleinen Pause einlädt.

Auch Innenaufnahmen in dunklen Räumen sind mit der Fuji kein Problem, selbst bei ISO 6400 sind die Fotos vorzeigbar, es gibt zwar Rauschen, aber ein irgendwie schönes. Das kommt unter anderem daher, dass in dem kleinen Gehäuse ein nicht gerade kleiner APS-C-Sensor steckt, wie es ihn auch in vielen Spiegelreflexkameras gibt.

Der Urlaub in Barcelona ist vorbei und die Fuji ist auch schon wieder verkauft (nicht schlimm, denn ich muss gestehen, ich habe auch noch eine X100S). Fazit gefällig? Barcelona macht immer wieder Spaß (genauso wie die Fuji), kann aber teuer werden (dito, vor allem die Objektive, sind aber super). Die Fuji ist insgesamt relativ behäbig und erfordert teilweise etwas Geduld, aber hey, mañana, mañana.

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