Alte irakische Botschaft

Mitten in einem Wohngebiet in Pankow, in der Tschaikowskistraße, steht die alte irakische Botschaft der DDR und zerfällt, weil sich niemand verantwortlich fühlt. Das Grundstück gehört der Bundesrepublik, der Irak hat einst ein unbefristetes Nutzungsrecht bewilligt bekommen – und nutzt es nicht. Jetzt scheint keiner so recht zu wissen, was tun.

Also gehen wir rein. Das Tor steht einen Spalt offen, dahinter gibt es bereits einen kleinen Trampelpfad im Schnee. Und auch wenn es hell ist und das Gebäude beinahe ein touristisches Ausflugsziel geworden, bleibt ein kleines, flaues, schönes was-wenn-sie-uns-erwischen-Gefühl.

Seit 1991 steht das Haus leer. Die vielen illegalen Partys, die vielen Besucher und auch die ein oder andere Brandstiftung haben ihre Spuren hinterlassen, oder vielmehr verwischt. In einigen Räumen liegen verstreute Akten, teilweise in arabischer Schrift. Ein paar alte Möbel gibt es auch, ich könnte aber nicht sagen, ob sie aus der Botschaft stammen oder ob es sich jemand hier nach der Räumung wohnlich eingerichtet hat.

Der Wind lässt eine Tür im oberen Stockwerk klappern und mir stockt kurz der Atem. Später treffen wir dann noch auf weitere Besucher; vermutlich ist es an sommerlichen Wochenenden richtig voll. „Urban Exploration“ oder der Besuch von „Abandoned Places“ ist für viele inzwischen zum Hobby geworden und die Botschaft ist ein leichtes, überschaubar großes Ziel dafür.

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