Albanien

Tirana – Hauptstadt von Albanien

Eine Reise nach Albanien ist eine Reise voller Überraschungen. Ein bisschen Balkan-Erfahrung hatten wir zwar schon aus Montenegro im Gepäck, aber es kommt ja immer anders.
Elton von Albaniantrip holt uns vom Flughafen (mit dem vielversprechenden Namen „Mutter Teresa“) ab, fährt uns zu unserer ersten Unterkunft und zerstreut unsere wenigen letzten Bedenken mit den Worten „Das Gefährlichste in Albanien ist der Straßenverkehr“. Fast alles, was wir über unsere Ferienwohnung wissen müssen, hängt mit dem Hund zusammen. Der hat einen wahnsinnigen Drang danach, durch das Tor abzuhauen, um seine Runde um den Block zu drehen. Das dauert dann etwa eine Viertelstunde, in der wir nichts weiter tun können, als vor dem Tor auf seine Rückkehr zu warten. Nichts tun, ein guter Einstieg in den Urlaub. Von hier an wird jede Toröffnung zu einer nervlichen Zerreißprobe, die wir entweder gewinnen oder den Hund gewinnen lassen. Er soll schließlich auch was vom Sommer haben.

Tirana ist heiß, die Straßen staubig und gesäumt mit Händlern. Wir haben kurz den Anflug eines Bangkok-Gefühls, kaufen dann aber Käse fürs Abendessen. Der Verkäufer spricht kein Englisch und erklärt uns die verschiedenen Sorten mit den Worten „Muh“, „Mäh“ und „Möh“. Wir nehmen je ein Stück vom „Mäh“ und vom „Muh“, besorgen uns frisches Obst, Gemüse und leckeres Brot und schlagen uns die Bäuche voll.
Die Stadt ist eine bunte Mischung aus irgendwie allem: alt, neu, osmanisch, islamisch, kommunistisch, mediterran, italienisch, griechisch. Und es gibt eine Seilbahn!

Koman-Stausee

Für die Einheimischen ist die Fähre über den Koman-Stausee Mittel zum Zweck, viele der hoch gelegenen Dörfer am See sind nur vom Wasser aus erreichbar. Für uns Touristen ist allein die Anreise bis zur Anlegestelle ein Abenteuer, es geht auf schmalen Schotterpisten über die Berge und durch lange, dunkle Tunnel.
Das Boot selbst ist ein schwimmfähig gemachter, alter Setra-Bus und wie wir hören müssen, ist es auch nicht das erste dieser Art, die anderen liegen bereits auf dem Grund. Die größeren Fähren wurden allesamt eingestellt, sie waren unrentabel. Und so schippern wir über den See, der mal grün, mal türkis leuchtet, am Ufer ragen steil die Berge auf. Es ist unglaublich schön hier und obwohl die Fahrt fast drei Stunden dauert, ist sie uns viel zu kurz.
Auf der anderen Seite steigen wir in einen kleinen Bus und fahren zu unserem Ziel für heute, dem Valbona-Tal.

Valbona und die nordalbanischen Alpen

Die Straße nach Valbona wird gerade ausgebaut, jetzt ist sie aber noch eine Schotterpiste und es dauert eine Weile, bis wir das von Alfred betriebene Hotel „Rilindja“ erreichen. Wir werden herzlich empfangen, bekommen leckeres Essen und Bier und ein Zimmer im neu gebauten Holzhaus. Alfred zeigt uns begehbare Routen in den Bergen ringsum, einige Wege sind noch zugeschneit, einige noch nicht durchgehend markiert. Zu den zugeschneiten gehört leider auch unser geplanter Weg in das benachbarte Theth. Schade.

Am nächsten Tag macht uns Alfreds Großmutter ein leckeres Frühstück und wir brechen in mäßig gutem Wetter auf. Die erste Hürde ist ein etwa vier Meter breiter, kristallklarer Gebirgsbach. Schuhe aus, Hose hoch und lernen, dass fließendes Wasser offensichtlich auch Temperaturen weit unter 0 Grad annehmen kann. Wir laufen eine ganze Weile bergauf und überqueren immer wieder Schneelawinen, irgendwann treffen wir auf ein großes Schneefeld und entscheiden, umzukehren. Auf dem Rückweg werden wir zuerst von einem Gewitter überrascht, dann mit einem Regenbogen belohnt, kommen an Wildpferden vorbei, verlaufen uns kurz im Regen und kommen gegen Abend erschöpft wieder in unserer Unterkunft an.

Auch für die nächsten Tage ist Regen angesagt und wir entscheiden uns, aus dieser surrealistisch schönen Gegend abzureisen, nicht ohne Bedauern. Wir warten an der Straße auf den Bus und haben Glück, der Kofferraum ist noch für uns frei.
Die schnellste Strecke verläuft über Bajram Curri und durch Kosovo (zu dem wir „Kosova“ sagen sollen, lernen wir, denn „Kosovo“ ist der serbische Name). Der Zöllner fragt, ob es für uns okay ist, den Stempel im Pass zu haben und wir stimmen zu. Mit diesem Stempel kann man immer noch Probleme bei der Einreise nach Serbien bekommen, im besten Fall wird der Stempel ungültig gemacht, im schlechteren Fall der Pass nicht anerkannt. Die Wiedereinreise nach Albanien ist aber problemlos möglich und ein paar Stunden später kommen wir in Berat an. Ein paar Stunden sind nicht viel, denkt man, deshalb hier ein Beispiel beliebter albanischer Reisebusmusik:

Berat

Berat ist:
– UNESCO Weltkulturerbe.
– die Stadt der tausend Fenster.
– eine Museumsstadt.
Aber das nur nebenbei. Berat ist vor allem auch der erste Ort in Albanien, an dem wir länger bleiben als geplant. Im Hotel angekommen, schickt man uns in das wohl schönste Zimmer auf unserer Reise, Essen und Wein schmecken unfassbar gut und viel; die Altstadt, die Burg und die Lage am Fluss laden zum Rumlaufen und Erkunden ein und die Leute sind entspannt bis freundlich.

Was man auf jeden Fall machen sollte, wenn man hier vorbeikommt: Rafting auf dem Osum-Fluss. Das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen. Unsere Gruppe besteht aus einigen Journalisten aus Kosova und uns und auch heute ist die Anreise ein Abenteuer. Es geht in Geländewagen am Osum entlang, wir halten hier und da für ein paar Videoaufnahmen. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung geht es auf den Fluss und durch die Schlucht, die Wände ragen bis zu 100 Metern hoch über uns auf, streckenweise ist der Canyon so eng, dass die Schlauchboote hängenbleiben und mit einem lautem Knarzen weitergezogen werden müssen. Zu unserer Überraschung gehen wir nicht unter, auch nicht, als wir mit voller Kraft unter einen recht großen Wasserfall paddeln und das Boot binnen Sekunden vollläuft.
Mehr Bilder von unserer Rafting-Tour gibt es auf der Facebook-Seite der Albania Rafting Group.

Ksamil, Saranda, Dhermi und die Küste Albaniens

Weiter geht’s an die Küste. Wir machen einen kurzen Abstecher zur beeindruckenden Ruinenstadt Butrint und kommen nach Ksamil. Ksamil hat den vielleicht schönsten Strand der albanischen Küste, der Ort allerdings ist genauso anti-idyllisch wie die anderen. Man hofft hier auf die zeitnahe Ankunft des Massentourismus. Dafür musste viel Authentisches weichen und Platz machen für überhastet errichtete Hotelanlagen, von denen nicht wenige illegal gebaut wurden und werden. Das Ergebnis sind zahlreiche, betongraue Bauruinen.
In Saranda und Dhermi bietet sich das gleiche Bild. Wir bleiben trotzdem ein paar Nächte hier, haben den Strand die meiste Zeit für uns allein, genießen das Nichtstun und lassen die Seele baumeln.

17 Kommentare

  1. anna · 15. Februar 2015 Reply

    lieber stefan,

    dein Reisebericht mit den wunderbaren Fotos (toller Fotograf und auch tolle Kamera!) ist sehr hilfreich für mich. ich möchte eventuell durch Albanien nach Griechenland mit dem auto reisen. bin aber noch immer von dieser albanien-angst infiziert.
    momentan informiere ich mich ausführlich u bin dadurch auch auf deine Seite gestossen.

    ich denke, hier ist man als reisender, fremder, tourist willkommen. die grauenvollen zeiten der brutalen Gesetzlosigkeit nach 1997 sind wohl vorbei.

    wir werden sehen, wie ich mich entscheide. jedenfalls ist es interessant, wie wenig wir eigentlich v dem neuen Albanien wissen u wie arm diese menschen immer noch sind.
    liebe grüsse
    anna

    • iamstef · 15. Februar 2015 Reply

      Hi Anna,

      vielen Dank für deinen Kommentar und die Blumen. :)
      Ich kann nur empfehlen, Albanien zu bereisen. Wir haben uns in keinem Moment unwohl gefühlt. Man darf natürlich keine zu hohen Erwartungen haben, Luxus ist eher selten und ja, es gibt ein Müllproblem.

      Wenn du mit dem Auto anreist empfehle ich dir einen Zwischenstopp in Montenegro, aber das hast du wahrscheinlich schon gelesen.

      Viel Spaß! Berichte doch einfach mal wie es war, wenn du hinfährst, ich bin gespannt!
      Grüße,
      Stefan

  2. Genc Ukcamaj · 3. Mai 2015 Reply

    Alles gut und schön . Nun leider stelle ich fest das Sie die Küstenstrasse die von Saranda nach Vlora führt nicht gefahren sind. Schade den die schönsten strände liegen da entlang und natürlich der Llogara Pass…….traumhaft einfach. Vielleicht das nächste mal?

  3. Chris · 21. Juli 2015 Reply

    Hi Stefan,

    toller Bericht und vor allem unglaublich stimmungsvolle Fotos. Die gefallen mir richtig gut. Der Stausee klingt richtig spannend und auch Berat kommt auf die Liste für den nächsten Albanien-Besuch.
    Eine Frage noch: was ist ein „Bangkok-Gefühl“? Einmal sich an 7 Essenständen auf der Straße den Bauch vollschlagen? ;-)

    LG, Chris

  4. sabrina · 12. März 2016 Reply

    hi stefan, erstmal tolle bilder und schöne schilderungen. wie lange ward ihr unterwegs? eine freundin und ich, überlegen auch im juli nach albanien oder montenegro zu reisen, jedoch haben wir nur 7-9 tage zeit. ist das ausreichend, um einiges zu sehen? habt ihr vorab relativ viel gebucht oder vor ort alles gebucht und was meinst du ist besser, auto oder bus? wäre echt dankbar für ein paar tipps.
    ps: wie hoch war euer tagesbudget?

    viele grüße sabrina

  5. Barbara · 13. März 2016 Reply

    Hallo Stefan,
    wirklich schöner Bericht, macht wirklich Lust nach Albanien zu reisen. Ich möchte gerne Ende März fahren, seid ihr nur öffentlich von einem Ort zum anderen gekommen? Falls ja, wie funktioniert das Bus Netz? Frau alleine, hast du dazu Ideen? Bin schon viel unterwegs gewesen und nicht zimperlich, aber ein paar first-hand Tipps sind immer willkommen.
    Vielen Dank!
    Liebe Grüße,
    Barbara

    • Julia · 17. April 2017 Reply

      Hallo Barbara,
      kannst du mir, nachdem du nun schon in Albanien warst, sagen, ob das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut geklappt hat? Bin derzeit am überlegen, ob ich öffentlich von A nach B komme oder besser ein Mietauto nehme..

      Vielen Dank und viele Grüße
      Julia

  6. Hermann Brunner · 29. Oktober 2016 Reply

    Hallo Stefan !

    Ich bin Busfahrer und war 1987 und 1988 mit je einer Reisegruppe in Albanien.Diese Reisen waren Abenteuer pur!Ich könnte ein Buch schreiben
    was wir alles erlebt haben!
    2017 will ich noch einmal mit einer Reisegruppe Albanien erkunden und schauen wie es Heute dort ist.
    Dein Reisebericht ist toll.
    Bin eben dabei die Reiseroute festzulegen.

    Grüße aus Seeboden
    Hermann

  7. Julia · 17. April 2017 Reply

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für deinen Bericht – der macht total Lust auf Albanien. Ich werde im August hinfliegen.
    Vielleicht kannst du mir mit ein paar praktischen Fragen weiterhelfen..?
    – Ist es einfach in Albanien mit den öffentlichen Verkehrsmitteln / Bussen zu reisen oder verliert man dadurch sehr viel Zeit? Wir überlegen derzeit, ob wir öffentlich reisen oder uns ein Mietauto nehmen.
    – Fahren die öffentlichen Busse auch zu eher abgelegenen Orten wie Valbona?
    – Kann man die Rafting-Tour in Berat einfach vor Ort buchen?

    Ich hoffe, du kannst mir helfen :)
    Viele Grüße
    Julia

    • iamstef · 17. April 2017 Reply

      Hi Julia,

      danke für deinen Kommentar.
      Wir waren damals komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und fanden, dass das sehr gut funktioniert hat. Wir sind problemlos überall hingekommen. Teilweise war für uns aber auch der Weg das Ziel – zum Beispiel die Anreise von Shkodra über den Koman-Stausee nach Bajram Curri und weiter nach Valbona. Die Busse von Bajram Curri Richtung Tirana fahren durch Kosova, das muss man dann wollen, der Stempel im Pass ist nicht überall gern gesehen.
      Von Bajram Curri nach Valbona fuhr damals ein Minibus, auch das war also kein Problem.

      Die Rafting-Tour haben wir beim Abendessen für den nächsten Tag gebucht, das war kein Problem. Es lohnt sich aber vermutlich, vorher mal anzufragen ob und wann und wo im August Touren stattfinden, eventuell ist der Wasserstand dann relativ niedrig: http://www.albrafting.com/
      In Berat kann man es aber auch etwas länger aushalten, falls am nächsten Tag kein Rafting möglich ist. :)

      Wird ein toller Urlaub, ich wünsche dir viel Spaß!
      Grüße,
      Stefan

  8. Julia · 17. April 2017 Reply

    Hi Stefan,
    danke für deine schnelle Rückmeldung.
    Wie lange wart ihr denn insgesamt in Albanien unterwegs?
    Viele Grüße
    Julia

    • iamstef · 18. April 2017 Reply

      Hi Julia,

      wir waren insgesamt zwei Wochen unterwegs. Wenn ich nochmal hinfahren würde, ich würde vermutlich weniger Zeit für die Strände einplanen. Ksamil war schon ganz nett, aber ansonsten eher so mittel.

      Grüße!
      Stefan

  9. Christin · 24. April 2017 Reply

    Hallo Stefan,
    Sehr schöner Reisebericht , tolle Bilder und Berat fand ich auch richtig schön.
    Nur schade dass du so über die Strände denkst, anscheinend hast du von den Stränden nicht so viel oder nicht die richtigen gesehen!
    Ich war nun auch zwei mal in Albanien einmal im Sommer und jetzt im Januar!
    An der albanischen riviera (ionisches Meer) sind die Strände traumhaft, zwar steinig aber dafür ist das Wasser glasklar!
    Man sollte sich auf jeden Fall die Bucht von Gjipe anschauen die liegt in der Stadt Himara. Es ist total verlassen dort, höchstens 10 Leute.. zumindest als wir dort waren. Es liegt sicherlich daran, dass man nicht mit dem Auto hinkommt, entweder man wandert zu Fuß oder man lässt sich mit dem Boot hinbringen. Wenn man in der Stadt nach Gjipe fragt wird jeder auf den Hafen zeigen,wo man den richtigen Ansprechpartner findet.
    Auch empfehlenswert sind die Strände von Karaburun eine Halbinsel die in Süden liegt.
    Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kenn ich mich nicht aus, wir haben uns ein Auto gemietet und haben alles selber abgeklappert.
    Regeln hat es im Straßenverkehr nicht unbedingt, wer zuerst kommt hat Vorfahrt! Das gilt für Tirana, ich bin froh als ich aus dem Kreisverkehr draußen war, denn was eigentlich zweispurig ist wurde plötzlich vierspurig!:)
    Aber man fährt eh nur Autobahn von daher passt es.
    Albanien ist ein wunderschönes Land , sehr gastfreundlich, preiswert und abenteuerlich im positiven Sinne!
    Wir waren im Dezember das erste mal in Thailand , auf Phuket .. dort hat es mir nicht im Ansatz so gefallen wie in Albanien.. mit dem ganzen Massentourismus und den mittlerweile abgebrühten Einheimischen Verkäufern.
    Wozu soll ich 12 Stunden mit dem Flugzeug fliegen wenn ich nach 4 Stunden Flug auch ein traumhaften Fleck habe.
    Liebe Grüße Christin

  10. Sandra · 6. September 2017 Reply

    Hallo Stefan
    Danke für diesen tollen Reisebericht. Er hat mir die letzte Bestätigung gegeben, dass Albanien das nächste Reiseziel wird.

    Viele Grüße

    Sandra

    • iamstef · 6. September 2017 Reply

      Hi Sandra,

      danke und viel Spaß! Wenn du auch über deine Reise schreibst freue ich mich über einen Link. :)

      Grüße,
      Stefan

  11. Patrick · 22. Oktober 2017 Reply

    Guten Tag, super genialer Bericht mit schönen Fotos. Nun meine Frage: Ist vielleicht schwer für dich zu beantworten. Ist eine Reise als Rollstuhlfahrer schon eine vernünftige Sache? Ansprüche habe ich keine grossen ausser natürlich dass die Türen breit genug und die Randsteine nicht überall ausgefräst und 15-20cm hoch sein sollten.

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